Thomas Beaulieu holt mich morgens um fünf ab. Nicht mit dem Truck, sondern zu Fuß. „Das Auto brauchen wir heute nicht“, sagt er, und ich lerne im Laufe des Tages, was das bedeutet: Wir gehen ins Gelände. Er ist 68 Jahre alt, Dene, aufgewachsen am Großen Sklavensee, und wenn er durch Schnee läuft, macht er kein Geräusch.
Ich hatte ihn durch den Ranger-Posten in Łutselk’e kennengelernt — dem kleinen Dene-Dorf am Ostufer des Sees, das man nur per Flugzeug oder im Winter über den Eisweg erreicht. Thomas lebt hier seit seiner Geburt, hat das Dorf dreimal für Ausbildung und Arbeit verlassen und ist dreimal zurückgekehrt. „Man geht, weil man denkt, woanders sei mehr“, sagt er. „Dann merkt man: Es ist nur lauter.“

Auf dem Eis zeigt er mir, wie man Fischreusen setzt — eine Technik, die er von seinem Großvater gelernt hat, der sie von seinem Großvater gelernt hat. Die Geste ist präzise und ökonomisch, kein Handgriff zu viel. Was mich mehr beeindruckt als die Technik, ist die Stille dabei. Thomas erklärt nicht viel. Er tut, und ich schaue.
Was das Land weiß
Nach zwei Stunden auf dem Eis frage ich ihn, ob er sich vorstellen kann, woanders zu leben. Er überlegt lange. „Das Land kennt meinen Namen“, sagt er schließlich. „Nicht weil ich wichtig bin — sondern weil meine Familie hier schon lange geht.“ Es ist keine romantische Antwort. Es ist eine geografische.

Am Nachmittag trinken wir Tee in seiner Küche. Seine Frau bringt Bannock, das flache Brot, das hier oben zu jeder Mahlzeit gehört. Thomas spricht über seine Enkel, die in Yellowknife zur Schule gehen und Englisch besser sprechen als Dene. Er klingt nicht traurig dabei. Eher aufmerksam — wie jemand, der weiß, dass sich etwas verändert, und trotzdem weitermacht. Denn das ist hier die einzige sinnvolle Reaktion auf Veränderung: weitermachen.
Was das Land weiß – Teil 2
Nach zwei Stunden auf dem Eis frage ich ihn, ob er sich vorstellen kann, woanders zu leben. Er überlegt lange. „Das Land kennt meinen Namen“, sagt er schließlich. „Nicht weil ich wichtig bin — sondern weil meine Familie hier schon lange geht.“ Es ist keine romantische Antwort. Es ist eine geografische.

Am Nachmittag trinken wir Tee in seiner Küche. Seine Frau bringt Bannock, das flache Brot, das hier oben zu jeder Mahlzeit gehört. Thomas spricht über seine Enkel, die in Yellowknife zur Schule gehen und Englisch besser sprechen als Dene. Er klingt nicht traurig dabei. Eher aufmerksam — wie jemand, der weiß, dass sich etwas verändert, und trotzdem weitermacht. Denn das ist hier die einzige sinnvolle Reaktion auf Veränderung: weitermachen.