Der Alaska Highway ist keine Straße, auf der man etwas erledigt. Er ist eine Straße, auf der man ankommen muss — und das dauert. 2.400 Kilometer von Dawson Creek bis nach Delta Junction in Alaska. Im Oktober, wenn die Pappeln gelb leuchten und der erste Schnee die Berggipfel pudert, fährt man oft eine Stunde, ohne einem anderen Auto zu begegnen.

An einer Raststelle kurz vor der Yukon-Grenze trank ich Kaffee mit einem älteren Deutschen, der seit dreißig Jahren jeden Herbst diese Strecke fuhr. „Man gewöhnt sich nicht daran", sagte er. „Man lernt nur, stiller zu werden."
Das stimmt. Der Highway macht still. Nicht weil nichts passiert, sondern weil die Weite jeden kleinen Gedanken auflöst, bevor er sich festsetzen kann. Man hört auf, Listen zu machen. Man fängt an zu schauen. Und irgendwo bei Kilometer 800 versteht man, warum Menschen extra hierher reisen — nicht, um etwas zu sehen, sondern um sich selbst wieder zu hören.


