Ein Haus am Ende des Kluane Lake
Margaret Koe lebt dort, wo der Kluane Lake sich in die St.-Elias-Berge schiebt — in einem Holzhaus, das ihr Vater in den 1960er-Jahren gebaut hat. Sie ist 78 Jahre alt, Älteste der Kluane First Nation und die Person im Yukon, die Ole Helmhausen am klarsten erklärt hat, was es bedeutet, einem Ort zu gehören — und nicht umgekehrt.
Das Interview, das er für diese Begegnung geplant hatte, dauerte zwölf Minuten. Dann hörte Ole auf, Fragen zu stellen, und hörte einfach zu. Vier Stunden lang.
Die Sprache des Landes
Margaret spricht Fließend Southern Tutchone, die Sprache ihrer Vorfahren, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts fast vollständig aus dem Alltag verschwunden ist. Von den ehemals mehreren hundert Sprechern sind heute weniger als zwei Dutzend übrig. Margaret ist eine davon — und sie unterrichtet die Sprache einmal pro Woche in der Schule von Burwash Landing.
„Eine Sprache stirbt nicht, wenn der letzte Sprecher stirbt“, sagt sie. „Sie stirbt, wenn die Jungen aufhören zu fragen.“ Diese Unterscheidung macht einen Unterschied. Sie beschreibt eine Verantwortung, die von beiden Seiten getragen werden muss.
Was der Kluane Lake erzählt
Der Kluane Lake war bis 2016 der größte See im Yukon. Dann entwässerte ein schmelzender Gletscher den Zufluss — innerhalb weniger Wochen sank der Wasserspiegel um drei Meter. Margaret hat das beobachtet. Sie hat keinen Namen dafür, denn in Southern Tutchone gibt es kein Wort für etwas, das noch nie passiert ist.
„Wir haben Worte für Schnee, der fällt, und für Schnee, der bleibt, und für Schnee, der taut. Wir haben Worte für Eis, das trägt, und für Eis, das bricht. Aber kein Wort dafür, dass ein See verschwindet.“ Sie sagt das ohne Drama. Die Sprache war immer eine Beschreibung der Welt — und wenn die Welt sich verändert, hinkt die Sprache hinterher.
Eine letzte Frage
Auf dem Rückweg nach Haines Junction fragt Ole sich, warum er so viele Fragen gestellt hat. Margaret hatte ihn gebeten, Tee zu trinken und zu schweigen. Er hatte stattdessen seinen Block gezückt. Erst nach einer Stunde hatte er begriffen, dass das Schweigen selbst die Antwort war — auf eine Frage, die er noch gar nicht gestellt hatte.
Er wird wiederkommen. Das hat er ihr nicht gesagt — aber es ist das erste Mal seit Jahren, dass ihm ein Ort das Gefühl gibt, nicht fertig erzählt worden zu sein.